Regisseurin Ursula Napravnik mit den Darsteller*innen Sabine Marte und Didi Bruckmayr vor dem Schlingerhof in Floridsdorf Regisseurin Ursula Napravnik mit den Darsteller*innen Sabine Marte und Didi Bruckmayr vor dem Schlingerhof in Floridsdorf Marija Šabanović
11 Feb
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Als in Österreich Bürgerkrieg war

Die szenische Aufführung „Schlinger Heroes" befasst sich mit den Kämpfen im Februar 1934.

Die Februarkämpfe 1934, die oft auch als Bürgerkrieg bezeichnet werden, jähren sich heuer zum 90. Mal. Es war die gewaltsame Eskalation eines lange schwelenden Konflikts zwischen Christdemokraten - der heutigen ÖVP - und Sozialdemokraten und der Zeitpunkt, an dem Österreich endgültig in den Faschismus kippte. Es war in der Ersten Republik der letzte Akt des Widerstand einer sukzessiv entrechteten und entwaffneten Sozialdemokratie gegen das diktatorische Regime von Kanzler Engelbert Dollfuss, der mehrere 100 Tote forderte, die Einführung des Standrechts und dadurch die Hinrichtung mehrerer Aufstandsführer zur Folge hatte.
Georg Weissel, ein Floridsdorfer Feuerwehrhauptmann, war einer von ihnen. Er führte den Floridsdorfer Schutzbund, die paramilitärische Organisation der Sozialdemokraten, an, wurde gefangengenommen, verurteilt und durch den Strang getötet. Seiner wird nun in Form einer multimedialen Aufführung am Schlingerhof am Floridsdorfer Markt, einem der Brennpunkte der Februarkämpfe, gedacht.
In dem großen Areal des Gemeindebaus hat Ursula Napravnik ein Stationendrama zwischen Erinnerungsarbeit und teils recht expressiven Szenen von Gewalt, Verfolgung, Justiz und totalitärer Machtausübung in Szene gesetzt. Ein langer Bericht informiert zu Beginn der Aufführung via Lautsprecher über den historischen Hergang und Ablauf der Kämpfe; dazu geben BewohnerInnen und AnrainerInnen des Schlingerhofs preis, was sie mit Georg Weissel und den Februarkämpfen verbinden. Mit integriert in die Inszenierung sind zwei Szenen aus dem Stück „Floridsdorf", das der deutsche Autor Friedrich Wolf 1935 Weissel gewidmet hat. Wolf war 1933 vor den Nazis über Österreich in die Sowjetunion emigriert, wo er zahlreiche österreichische Exulanten interviewte, die beim Schutzbund gewesen waren.

„Schlinger Heroes 2024“ heißt das Ganze und findet am 12. und 13. Februar 2024 im und um den Schlingerhof statt. Nicht unwichtig: Da die Spielorte der Aufführung größtenteils im Freien liegen, empfiehlt sich ausreichend warme Kleidung - selbst bei diesen Temperaturen, die sich mit ordentlich Wind rasch einmal deutlich kälter anfühlen.

Vorpremiere: 12. Februar 2024 um 14:30 Premiere: 12. Februar 2024 um 18:30
Weitere Vorstellungen: 13. Februar 2024 um 14:30 und 18:30. Start ist bei den Arkaden der Gebietsbetreuung Stadterneuerung 21/22 R10, Brünner Straße 34-38/8, 1210 Wien, https://maps.app.goo.gl/9mhMMY1512m1RrQWA

Pro Tag wird es zwei ca. einstündige Durchgänge des Stücks geben, jeweils um 14:30 und 18:30 Uhr. Pro Aufführung können nur maximal 30 Personen dabei sein. Eintritt: Freie Spende. Anmeldung Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

DarstellerInnen: Mathias Lenz als Georg Weissel, Katarina Maria Trenk als Mali, Sabine Marte als Frau Exzellenz und Didi Bruckmayr als Heimwehrführer.